„Nur Arbeit und kein Spiel macht dumm.“
(Karl Marx)
ph, Thema: Spielen, Donnerstag, 19. August 2010, 13:22



Als Kinder sind wir alle neugierig. Wir wollen ausprobieren, alles kennen lernen und uns entwickeln. Je älter wir werden, desto mehr beschränken wir uns in unserem Entfaltungsspielraum.

In unserem Bestreben, allzeit produktiv zu sein, streichen wir alles von unserem Tagesplan, das keinen objektiven Nutzen hat. Wir sind stolz darauf, wenn wir nur noch Dinge tun, von denen wir glauben, dass es auf sie ankommt.

Dabei vergessen wir nur allzu oft aufs Spielen. Wir halten es für Zeitverschwendung, nicht der Mühe wert. Oft bleibt uns auch einfach keine Zeit, Dinge nur so zum Spass zu machen. Unser angeborenes Bedürfnis nach Abwechslung und Herausforderung wird oft unter dem Berg der Verantwortungen, die wir zu tragen haben, begraben. Wir vergessen, dass gerade die scheinbar nicht zweckorientierten Dinge die Würze des Lebens ausmachen.

„The opposite of play is not work – the opposite of play is depression,“ meint der Spielforscher Stuart Brown.

Ein humorvoller, spielerischer Zugang kann uns oft helfen, mit den Herausforderungen des Lebens besser umzugehen. Dabei müssen wir natürlich nicht immer spielen, um ein erfülltes Leben zu führen. Auch wenn wir uns nur ab und zu erlauben, unseren Spieltrieb auszuleben, werden sich die positiven Effekte des Spielens in allen Lebensbereichen zeigen. Spielen kann uns in allem was wir tun produktiver, kreativer und letztendlich glücklicher machen.

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Spiel-Arten
ph, Thema: Spielen, Montag, 2. August 2010, 16:43

Erinnern Sie sich noch an die Spiele Ihrer Kindheit? Oder haben Sie selbst Kinder, die Sie beim Spielen beobachten können? Dann wird Ihnen sicherlich auffallen, dass es verschiedene Arten von Spielen gibt.

Der Spiel-Forscher Stuart Brown unterscheidet sieben Kategorien von Spielen in der Entwicklung des Kindes:
  1. Attunement („Einstimmung“).
    Im Alter von drei bis vier Monaten beginnt das Baby, auf die Kommunikationsangebote seiner Bezugspersonen mit einem Lächeln zu reagieren. Die Bezugsperson (meist die Mutter) wird mit verbal und nonverbal ausgedrückter Freude antworten – und zurück lächeln. Während sie sich in die Augen sehen, synchronisieren Mutter und Kind die neuronalen Aktivitäten im rechten Cortex – sie vereinigen sich. Dies kann als die ursprünglichste Form des Spielens betrachtet werden.
  2. Body and Movement Play („Körper- und Bewegungs-Spiel“).
    Kinder beginnen sehr früh, durch Bewegung ihren eigenen Körper und ihre Umwelt kennen zu lernen. Dies beginnt schon im Mutterleib, wo die scheinbar willkürlichen Bewegungen des Fötus die neuronalen Verbindungen zwischen Körperteilen und Gehirn anlegen. Durch Bewegung strukturieren wir unser Wissen über die Welt, Raum, Zeit und unsere Beziehung zur Umwelt. Fast alle Formen des Spielens beinhalten eine Form von Bewegung, sei sie nun körperlich oder geistig.
  3. Object Play („Spiel mit Objekten“).
    Je stärker ausdifferenziert die neuronalen Verbindungen werden, desto besser können wir mit den Gegenständen um uns herum hantieren. Wir haben Vergnügen daran, mit unterschiedlichen Objekten zu spielen. “A hand is always in search of a brain and a brain is in search of a hand.” (Frank R. Wilson)
  4. Imaginative Play („Phantasie-Spiele“).
    Die Vorstellungskraft ist vielleicht eine der größten Stärken des Menschen. Sie erlaubt uns, im Geiste andere Realitäten zu kreieren, die wir erkunden können, ohne unseren Realitätssinn zu verlieren. Auf der ganzen Welt beginnen Kinder schon sehr früh, fiktive Szenarien in ihre Spiele zu integrieren.
    Wenn die Kinder älter werden, werden diese Phantasie-Spiele immer elaborierter; gleichzeitig wird die Trennlinie zwischen Vorstellung und Realität klarer und fester. Diese Form des Spiels kommt unser Leben lang zum Tragen, beispielsweise beim Tagträumen. Sie ist gleichsam der Schlüssel zur Kreativität.
  5. Social Play („Soziale Spiele“).
    Der Mensch ist ein „soziales Tier“, und durch Spielen lernen wir, mit den anderen auf sozial akzeptierte Art und Weise umzugehen. Gemeinsames Spielen ist häufig erst der Anlass sozialer Zusammenkünfte, und es hilft uns, als Gemeinschaft zu überleben.
    Brown unterscheidet drei Untergruppen des sozialen Spiels bei Kindern:
    1. Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl
    2. „wildes“ Spielen („rough-and-tumble play“)
    3. Feste und Rituale
  6. Storytelling and Narrativ Play („Geschichten erzählen“).
    Geschichten sind ein zentrales Element der Entwicklung der Menschheit. Über Geschichten haben wir immer schon versucht, die Welt, uns selbst und unseren Platz in der Welt zu verstehen.
    „Die ersten Erzählungen, die von realen und fiktiven Ereignissen kündeten, die Mythen und Legenden, die am Lagerfeuer erzählt wurden, erweiterten den Horizont der menschlichen Erfahrung durch die Phantasie. […] Die Macht der Worte beruht darauf, dass sie das Leben bereichern, weil sie die Grenzen der individuellen Erfahrung erweiten. Ohne Geschichten und Bücher wäre unser Wissen auf das beschränkt, was uns selbst oder den Menschen, die wir persönlich kennen, widerfährt. […] Doch noch wichtiger ist, dass wir durch das geschriebene Wort besser verstehen können, was in uns selbst geschieht.“ (Mihaly Csikszentmihalyi)
  7. Transformative-Integrative and Creative Play („Transformativ-integrative Spiele“).
    Da Spielen viel mit dem Ausprobieren neuer Gedanken und Verhaltensweisen zu tun hat, befreit es uns vom engen Korsett unserer Muster. Für Kinder, die ständig im Prozess der Veränderung und des Werdens sind, ist transformatives Spiel im Leben allgegenwärtig. Die Grenzen von „jemanden (eine Rolle) spielen“ und „jemand sein“ sind fließend.
Wenn wir älter werden, ändern sich die Spiele, die wir spielen. Aber bei den meisten unserer Spiele lässt sich diese Gliederung noch gut beobachten.

So nutzen wir als Erwachsene zum Beispiel den transformativen Charakter des Spiels; die Visionsarbeit im Coaching ist ein gutes Beispiel dafür. Wenn wir unsere Phantasie „spielen“ lassen, biegen wir gleichsam unsere Realität, und dieser Prozess kann zu neuen Ideen und Lebensweisen führen.

Und welche Spiele spielen Sie am liebsten?

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Nur Fliegen ist schöner …
ph, Thema: Spielen, Dienstag, 22. Juni 2010, 18:29

Im Spielen sind wir ganz in diesem magischen Zustand, den der Kreativitäts-Forscher Mihaly Csikszentmihalyi "flow" nennt. Es verwundert daher nicht, dass die von ihm definierten neun Hauptelemente der flow-Erfahrung in vielen Punkten den Eingenschaften des Spiels ähneln:

  1. Jede Phase des Prozesses ist durch klare Ziele gekennzeichnet.
    Im flow weiß man immer ganz genau, was getan werden muss.
  2. Man erhält ein unmittelbares Feedback für das eigene Handeln.
  3. Aufgaben und Fähigkeiten befinden sich im Gleichgewicht.
    In einem wirklich erfreulichen Spiel bewegen sich die Spieler auf dem feinen Grat zwischen Angst und Langeweile. Dasselbe gilt, wenn wir das Gefühl haben, dass es bei der Arbeit, bei Gesprächen oder in Beziehungen gut läuft.
  4. Handeln und Bewusstheit bilden eine Einheit.
    Beim flow sind wir vollständig auf das konzentriert, was wir gerade tun.
  5. Ablenkungen werden vom Bewusstsein ausgeschlossen.
    Flow ist das Ergebnis einer intensiven Konzentration auf die Gegenwart, was die normalen Ängste und Sorgen des Alltags von uns abfallen lässt.
  6. Man hat keine Versagensängste.
    Während des flow ist man zu beschäftigt, um über ein mögliches Scheitern zu reflektieren. Ein mögliches Scheitern ist kein Thema, weil es beim flow völlig klar ist, was man tun muss, und weil die eigenen Fähigkeiten den Anforderungen angemessen sind.
  7. Selbstvergessenheit.
    Im flow geht man so vollständig in der Tätigkeit auf, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, wie man sein Ego schützen kann. Paradoxerweise wächst das Selbst durch Akte der Selbstvergessenheit.
  8. Das Zeitgefühl wird aufgehoben.
  9. Die Aktivität ist autotelisch (= griechisch für etwas, das ein Ziel in sich ist).
    Die meisten Dinge des Lebens sind exotelisch. Wir tun sie nicht, weil wir sie genießen, sondern um ein nachgeordnetes Ziel zu erreichen. Einige Aktivitäten sind beides.
In vielerlei Hinsicht besteht das Geheimnis eines erfüllten Lebens darin, dass man lernt, flow bei möglichst vielen Aktivitäten zu erleben, die man ohnehin tun muss. Je öfter man flow-Erfahrungen im Alltag macht, desto größer ist auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass man insgesamt glücklich ist.

Den Zustand des flow kann man sehr gut bei spielenden Kindern beobachten. Beim Spielen ist das Kind in einem Zustand wacher Aufmerksamkeit. „In dem Moment ist Spielen sein ein und alles, wofür es lebt. Das Kind nimmt Spielen ernst.“ (Voigtmann 1997: S. 92)

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Spielen und Kreativität
ph, Thema: Spielen, Montag, 31. Mai 2010, 13:09



Spiel und Kreativität sind eng miteinander verbunden. Wenn Spielen der „höchste Ausdruck des Menschlichen und der Individualität“ ist, so möchte ich die Kreativität als schönstes (Neben-)Produkt dieses Ausdrucks bezeichnen.

Doch was ist Kreativität eigentlich?
In einer sehr allgemeinen Form wird Kreativität als „die Fähigkeit, Neues in Form von Ideen und Erkenntnissen zu formen bzw. zu finden“ definiert.

Der kreative Prozess wird oft mit einem Hauch von Mythos umgeben und als widersprüchlich und paradox bezeichnet. Kreative Menschen sind auch selbst oft recht widersprüchliche Charaktere. Tatsächlich scheint dies eines der herausragendsten Merkmale zu sein, das kreativen Personen gemein ist: Ihre Fähigkeit, widersprüchliche Extreme in sich zu vereinen.

Kreative Menschen sind meist sehr komplexe Persönlichkeiten, die eine große Bandbreite von Eigenschaften zum Ausdruck bringen können. Sie können leichtfüßig zwischen Imagination und bodenständigem Realitätssinn wechseln und sind in der Lage, sowohl das logische (lineare) als auch das „seitwärtige“ (laterale) Denken zu nutzen.

Letzteres ist die Denkweise, die in Kreativitäts-Workshops gefördert wird; hierzu gehört
  • Flüssigkeit des Denkens (eine große Anzahl von Ideen),
  • Flexibilität (verschiedene Perspektiven) und
  • Originalität (ungewöhnliche Ideenverknüpfungen).
„Der beste Weg, eine gute Idee zu finden, ist, eine Menge davon zu haben.“ (Linus Pauling)

Um zu „großen“ Ideen zu kommen, sind beide Denkweisen notwendig. Um ein Urteil über die Qualität einer Idee fällen zu können, sind logisches Denken und ein umfassendes Fachwissen nötig. „Genies“, so sind sich die Kreativitätsforscher einig, fallen nicht vom Himmel.

Aber nur wenn diese harte Arbeit auch Freude bereitet, wird man lange genug am Ball bleiben, um die nötige Meisterschaft seiner Domäne zu erlangen, und Gedanken denken, die nie zuvor ein Mensch gedacht hat.

Und das bringt uns wieder zum Spielen:
„People cannot succeed in rising to the highest level of their field if they don‘t […] make time for play.“ (Stuart Brown)

Ein spielerischer Zugang erleichtert sowohl die Hartnäckigkeit und Zielstrebigkeit, die notwendig sind, um das erforderliche Wissen anzusammeln, als auch die Offenheit und Flexibilität, die neue Erkenntnisse ermöglichen.

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Homo Ludens: Der spielende Mensch
ph, Thema: Spielen, Dienstag, 20. April 2010, 15:56



„Denn […] der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“
(Friedrich Schiller)

Der Mensch gilt als der „größte Spieler“ aller Lebewesen. Wir sind zum Spielen und durch das Spielen geschaffen. Spielen wird von vielen als der höchste Ausdruck des Menschlichen und der Individualität bezeichnet. Alle unsere kulturellen Systeme wie Politik, Wissenschaft, Religion, Recht, Kunst, etc. haben sich – nach Jan Huizinga – ursprünglich aus spielerischen Verhaltensweisen entwickelt.

Spielen scheint so wichtig für unsere Entwicklung und unser Überleben gewesen zu sein, dass der Spielimpuls zu einem biologischen Antrieb geworden ist, und es scheint, dass es – ähnlich der gut dokumentierten Schlaf-Deprivation – auch ein Spiel-Defizit gibt, das zu schlechter Stimmung und Pessimismus führen kann.

Die positiven Auswirkungen des Spielens zeigen sich verstärkt in der Kindheit, in der das Gehirn am schnellsten wächst und sich verändert. In dieser Zeit ist unser Bedürfnis zu spielen so stark, dass wir – anders als die meisten (anderen) Tiere – sogar unter den lebensbedrohlichsten Bedingungen spielen, wie die traurig Geschichte der in Konzentrationslagern inhaftierten Kinder zeigte.

Viele andere Tiere hören im Erwachsenenalter auf zu spielen – die Kosten übersteigen nun den Nutzen. Der Mensch behält seinen „Spieltrieb“ bis ins hohe Alter.

„We are designed to be lifelong players, built to benefit from play at any age. The human animal is shaped by evolution to be the most flexible of all animals: as we play, we continue to change and adapt into old age.“
(Stuart Brown)

Auch wenn der „Spieltrieb“ durch äußere Umstände (z. B. Mangel an Freizeit, Verantwortungsgefühl, innere und äußere „Spielverderber“, etc.) nicht ausgelebt werden kann, geht er nicht völlig verloren. Die Lust am Spielen kann wieder erweckt werden, wenn der „spielerische Rahmen“ wieder hergestellt wird.

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The Brain: Use It or Loose it
ph, Thema: Spielen, Montag, 22. März 2010, 12:20

Die Tiere mit den größten Gehirnen (relativ zu ihrer Körpergröße) sind auch die „größten Spieler“. Größeres Gehirn bedeutet also mehr Spielen. Das erscheint für den Laien wenig überraschend. Weitaus interessanter sind Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass diese Verbindung in beide Richtungen funktioniert. Was (sehr vereinfacht ausgedrückt) bedeutet: Mehr Spielen – größeres Gehirn.

Auf jeden Fall trägt Spielen dazu bei das Gehirn zu formen, indem es neue kognitive Verbindungen herstellt und testet. Martin Voigtmann beschreibt diesen Vorgang so:

„Das menschliche Gehirn besteht aus einem weitverzweigten Netz einiger Milliarden Nervenzellen. Durch dieses feine Netz fließen elektrische Ströme, so dass das Gehirn sich als ein Wirrwarr von Kabeln darstellt. Sinnesreize senden Ströme aus, die Gehirnzellen anregen und etwa als Schmerz oder Urlaubsfreuden Eindrücke hinterlassen. Im Lebensverlauf reizen wiederholte Handlungen und Gedanken einige Nervenfasern stärker, die sich festigen. Jede Gewohnheit prägt sich buchstäblich ein und hinterlässt eine winzige biologische Spur. Im Alltag nun bewegen wir uns auf eingefahrenen Spurrillen, quasi den Starkstromkabeln. Die selten aktivierten Nebendrähte schlummern vor sich hin oder lösen sich wieder auf. Umverdrahtungen ermöglichen dem Gehirn jedoch Anpassungen an neue Situationen.“ (Voigtmann, Martin: Genies wie Du und ich. Kreativ sein hat System, Sauer, Heidelberg (1997), S. 20)

Der amerikanische Spiel-Forscher Stuart Brown fasst es so zusammen: „Play seems to be one of the most advanced methods nature has invented to allow a complex brain to create itself.“ (Brown, Stuart: play. How it Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul, Penguin, New York (2009), S. 40)

Wenn das nicht ein guter Grund ist, mehr zu spielen …

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Beute oder Spielkamerad?
ph, Thema: Spielen, Montag, 22. Februar 2010, 10:13



Was bringt diesen hungrigen Eisbären dazu, mit dem Husky zu spielen (anstatt ihn zu verspeisen)?

Spielen und „Emotionale Intelligenz“
Lange Zeit wurde angenommen, dass – sowohl menschliche als auch nicht-menschliche – Jungtiere im Spiel durch Nachahmung genau jene Verhaltensweisen erlernen, die sie als Erwachsene benötigen werden, also zum Beispiel das Jagen oder Kämpfen. Dem widerspricht die Tatsache, dass zum Beispiel auch Katzen, die am Spielen gehindert wurden, später ebenso gute Jäger werden, wie ihre spielenden Kollegen. Aber: „What they can’t do—what they never learned to do—is to socialize successfully.“ (Brown 2009: S. 32)

Im Spielen lernen Tiere, Freund von Feind zu unterscheiden, die Signale ihrer Artgenossen richtig zu deuten und deren Emotionen zu erkennen, was Daniel Goleman „Emotionale Intelligenz“ nennt – ein wichtiger Faktor für das soziale Zusammenleben.

Spielen und „Kreative Intelligenz“
Beim Spielen können wir uns in einer angstfreien Umgebung neuen Heraus­forderungen stellen und neue Verhaltensweisen spielerisch ausprobieren. Der schützende Rahmen der Gruppe erlaubt uns, Reaktionen auf neuartige Situationen auszutesten und zu trainieren.

Der amerikanischer Verhaltensforscher Bob Fagen, der das Spielverhalten der Eisbären in Alaska untersuchte, fand heraus, dass jene Bären, die am meisten spielten, die größten Überlebenschancen hatten – trotz der Gefahren und Nachteile des Spielens. Er erklärt dies so: „In a world continuously presenting unique challenges and ambiguity, play prepares these bears for an evolving planet“. (Brown 2009: S. 29)

Zusammenfassend könnte man sagen, dass Spielen die Anzahl der möglichen Verhaltensweisen erhöht und spielende Tiere besser mit neuen Situationen zurecht kommen, da sie über ein größeres Repertoire an „Copingstrategien“ verfügen – eines der wichtigsten Merkmale „kreativer Intelligenz“.

Spielen bietet diesen Tieren also einen Überlebensvorteil. Daher ist eine Spielaufforderung (wie zum Beispiel die typische Spielverbeugung der Hunde) für einige Tiere scheinbar so unwiderstehlich, dass sie darüber ihren Hunger vergessen.

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Warum spielen wir?
ph, Thema: Spielen, Montag, 25. Jänner 2010, 09:21

Spielen ist eine ungeheuer starke Kraft in der Natur, und der Mensch ist der „größte Spieler“ von allen Lebewesen.



Johan Huizinga bezeichnete ihn daher auch – in Analogie zum homo sapiens und homo faber – als homo ludens, den spielenden Menschen.

Doch auch im Tierreich ist Spielen außerordentlich weit verbreitet, vor allem bei „sozialen Tieren“. Das Spiel wird durch den „spielerischen Rahmen“ der sozialen Gruppe erst ermöglicht (Arbeitsteilung). Besonders häufig wird von Jungtieren während der Entwicklung gespielt, aber auch erwachsene Tiere können beim Spiel beobachtet werden. Dabei ist Spielen nicht ganz ungefährlich:
  • Das spielende Tier ist seiner Umgebung gegenüber unaufmerksam, kann heran­nahende Feinde nicht rasch genug erkennen und ist daher eine „leichte Beute“.
  • Erwachsene Tiere können während des Spielens ihre Jungen nicht beschützen.
  • Sie schaffen dabei weder Nahrung herbei, noch bauen sie Nester oder Höhlen.
Wenn nun Spielen so gefährlich sein kann, warum hat es sich so lange gehalten und verbreitet? Wenn spielende Jungtiere eher von Feinden erlegt werden, noch bevor sie sich fortpflanzen und ihre Gene weitergeben können, warum wurde das Verhalten „Spielen“ in der Evolution nicht ausselektiert?

(Fortsetzung folgt …)

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Was ist Spielen?
ph, Thema: Spielen, Freitag, 11. Dezember 2009, 10:17

Spielen ist schon seit längerem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung; sowohl das Spielverhalten junger Tiere als auch die Kinderspiele des Menschen werden von Verhaltensforschern, Psychologen und Pädagogen beobachtet.

Die Meinungen darüber, was „Spielen“ genau sei (und was nicht), sind so vielfältig wie das Spielen selbst. Je nachdem, ob man es aus ethologischer, anthropologischer, psychologischer, pädagogischer, kulturhistorischer (oder einer völlig anderen) Sicht betrachtet, wird die Definition anders ausfallen. Und selbst innerhalb der einzelnen Wissensgebiete werden die Grenzen zwischen Spiel und seinem – im Übrigen ebenfalls nicht klar definierten – Gegenteil unterschiedlich gesetzt.

Stuart Brown fasste die Eigenschaften des Spiels in seinem 2009 erschienenen Buch „play. How It Shapes the Brain, Opens the Imagination, and Invigorates the Soul“ wie folgt zusammen.
  1. Kein erkennbarer Zweck. Spielen scheint auf den ersten Blick keinen Überlebensvorteil zu bringen. Weder verdient man damit Geld, noch findet man dabei Nahrung oder Schutz. Wir spielen um des Spielens selbst willen.
  2. Freiwilligkeit.
  3. Natürliche Anziehung. Es macht einfach Spass zu spielen.
  4. Zeitlosigkeit. Wenn wir ins Spiel vertieft sind, verlieren wir unser Zeitgefühl.
  5. Selbstvergessenheit. Spielen kann uns so sehr in Beschlag nehmen, dass wir uns selbst und alles um uns herum vergessen. Wir machen uns keine Gedanken darüber, ob wir dabei eine gute Figur machen oder dumm aussehen.
  6. Improvisationspotential. Da das Spiel ausserhalb der „normalen“ Aktivitäten stattfindet, können wir in einer sicheren Umgebung neue Verhaltensweisen, Gedanken oder Strategien ausprobieren, Dinge in einem neuen Licht betrachten und dadurch auch neue Einsichten gewinnen.
  7. Verlangen nach Fortführung. Da es uns so viel Freude macht, wollen wir immer weiter spielen. Dafür ändern wir sogar die Spielregeln: als stärkere (schnellere, bessere, …) Spieler „bremsen“ wir uns durch (selbst auferlegte) Handicaps, damit das Spiel nicht allzu schnell vorüber ist.
(Fortsetzung folgt …)

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Petra Hennrich
Grafikerin, systemische Coachin, Trainerin, Künstlerin
Kaiserstrasse 96/V, 1070 Wien, Tel.: 0660 34 09 471
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