Schnell denken macht glücklich!
ph, Thema: Leben, Montag, 5. Juli 2010, 13:13

Emily Pronin und Elana Jacobs von der Princeton University in New Jersey (USA) haben in mehreren Studien untersucht, in wiefern geistige Beweglichkeit sich auf unsere Stimmung auswirkt. Ihre Ergebnisse haben sie 2008 in einem Übersichtsartikel zusammengefasst.

Geistige Beweglichkeit setzt sich aus den Komponenten Gedanken-Geschwindigkeit und Gedanken-Variabilität zusammen. Aus mehreren Experimenten mit Studentinnen der Universität zogen die Psychologinnen folgende Schlüsse:
  1. Geschwindigkeit: Schnelles Denken, d. h. viele Gedanken pro Zeiteinheit, wirkt sich positiv auf die Stimmung aus. Langsames Denken, also wenige Gedanken pro Zeiteinheit, hingegen hat keine positive Auswirkung.
  2. Variabilität (Veränderlichkeit): Unterschiedliche Gedanken führen ebenso zu besserer Stimmung, wohingegen repetitive (sich wiederholende) Gedanken sich negativ auf unsere Gemütslage auswirken.
  3. Kombinantion: Schnelles Denken unterschiedlicher Gedanken führt zu Hochstimmung, langsames, repetitives Denken zu Gedrücktheit und Depression. Werden die Faktoren Geschwindigkeit und Variabilität gemischt, so dass sie einander widersprechen, so hängt das emotionale Empfinden der Versuchspersonen unter anderem von den Ausprägung der einzelnen Merkmale ab. So kann repetitives Denken statt Depressionen Angst auslösen, wenn schnell gedacht wird.
  4. Inhaltliche Unabhängigkeit: Die Auswirkungen von Gedanken-Geschwindigkeit und -Variabilität sind unabhängig vom spezifischen Inhalt der Gedanken. Auch bei neutralen oder gar negativen Gedankenthemen bleibt die positive Wirkung erhalten.
Kurzum: Egal, was Sie jetzt denken, denken Sie mal etwas anderes. Und zwar schnell! ;-)

(Quelle: E. Pronin, E. Jacobs et al.: Thought Speed, Mood, and the Experience of Mental Motion, Perspectives of Psychological Science, 3/6, 2008, 461-485)

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Vom Guten im Schlechten
ph, Thema: Leben, Freitag, 2. Juli 2010, 13:42

„Es gibt nichts Gutes im Schlechten.“ Dieser oft zitierte Satz von Adorno mag auf viele Bereiche des Lebens zutreffen, aber überraschender Weise nicht auf unsere Laune. Zu diesem Schluss kommen jedenfalls Psychologen, die sich mit Aspekten und Auswirkungen unserer Stimmung befasst haben.

Anna Gielas von der Harvard Universität in Cambridge (USA) fasste für die aktuelle Ausgabe von „Gehirn & Geist“ (7-8/2010) die Ergebnisse mehrerer Studien zusammen. Das – für mich – erstaunliche Resultat: schlechte Laune ist ein evolutionär bedingter Mechanismus, der durchaus auch seine guten Seiten hat.

„Schlechte Laune macht das Individuum aufmerksamer für Details,“ zitiert sie den Sozialpsychologen Herbert Bless von der Universität Mannheim (Deutschland). Eine positive Gefühlslage verleite uns dazu, Informationen weniger wachsam zu verarbeiten und begünstige auch die Neigung, Fehlinformationen ungeprüft zu übernehmen, so die Autorin.

Wenn wir fröhlich sind, verlassen wir uns auf bereits vorhandene Informationen und überprüfen ihre Vollständigkeit und Richtigkeit nicht laufend. Und wir sind auch leichter durch andere zu beeinflussen. Missmut macht uns kritischer und unabhängiger von den Meinungen anderer.

Auch Selbstkritik ist eine Domäne der Miesepeter. Sonnige Gemüter, so der Psychologe Joseph Forgas von der Universität von New South Wales in Sydney (Australien), schieben die Schuld für Fehler lieber anderen in die Schuhe.

Schlechte Laune stärkt also unser Urteilsvermögen, wenn wir mit komplexen und tiefgreifenden Problemen konfrontiert sind.

Natürlich soll dies kein Freibrief für Sie, liebe Leserinnen und Leser, sein, sich in Zukunft in Ihren Stimmungstiefs zu baden. Aber es mag eine kleine Entschuldigung für Sie sein, wenn Sie tatsächlich einmal schlecht drauf sind. Und vielleicht hilft Ihnen dieses Wissen ja sogar, Ihre Stimmung zu heben.

Und wenn Ihr Missmut Ihnen trotz allem einmal auf die Nerven geht, probieren Sie einfach, schneller zu denken! Warum? Das erzähle ich Ihnen nächste Woche …

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Nur Fliegen ist schöner …
ph, Thema: Spielen, Dienstag, 22. Juni 2010, 18:29

Im Spielen sind wir ganz in diesem magischen Zustand, den der Kreativitäts-Forscher Mihaly Csikszentmihalyi "flow" nennt. Es verwundert daher nicht, dass die von ihm definierten neun Hauptelemente der flow-Erfahrung in vielen Punkten den Eingenschaften des Spiels ähneln:

  1. Jede Phase des Prozesses ist durch klare Ziele gekennzeichnet.
    Im flow weiß man immer ganz genau, was getan werden muss.
  2. Man erhält ein unmittelbares Feedback für das eigene Handeln.
  3. Aufgaben und Fähigkeiten befinden sich im Gleichgewicht.
    In einem wirklich erfreulichen Spiel bewegen sich die Spieler auf dem feinen Grat zwischen Angst und Langeweile. Dasselbe gilt, wenn wir das Gefühl haben, dass es bei der Arbeit, bei Gesprächen oder in Beziehungen gut läuft.
  4. Handeln und Bewusstheit bilden eine Einheit.
    Beim flow sind wir vollständig auf das konzentriert, was wir gerade tun.
  5. Ablenkungen werden vom Bewusstsein ausgeschlossen.
    Flow ist das Ergebnis einer intensiven Konzentration auf die Gegenwart, was die normalen Ängste und Sorgen des Alltags von uns abfallen lässt.
  6. Man hat keine Versagensängste.
    Während des flow ist man zu beschäftigt, um über ein mögliches Scheitern zu reflektieren. Ein mögliches Scheitern ist kein Thema, weil es beim flow völlig klar ist, was man tun muss, und weil die eigenen Fähigkeiten den Anforderungen angemessen sind.
  7. Selbstvergessenheit.
    Im flow geht man so vollständig in der Tätigkeit auf, dass man nicht mehr darüber nachdenkt, wie man sein Ego schützen kann. Paradoxerweise wächst das Selbst durch Akte der Selbstvergessenheit.
  8. Das Zeitgefühl wird aufgehoben.
  9. Die Aktivität ist autotelisch (= griechisch für etwas, das ein Ziel in sich ist).
    Die meisten Dinge des Lebens sind exotelisch. Wir tun sie nicht, weil wir sie genießen, sondern um ein nachgeordnetes Ziel zu erreichen. Einige Aktivitäten sind beides.
In vielerlei Hinsicht besteht das Geheimnis eines erfüllten Lebens darin, dass man lernt, flow bei möglichst vielen Aktivitäten zu erleben, die man ohnehin tun muss. Je öfter man flow-Erfahrungen im Alltag macht, desto größer ist auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit, dass man insgesamt glücklich ist.

Den Zustand des flow kann man sehr gut bei spielenden Kindern beobachten. Beim Spielen ist das Kind in einem Zustand wacher Aufmerksamkeit. „In dem Moment ist Spielen sein ein und alles, wofür es lebt. Das Kind nimmt Spielen ernst.“ (Voigtmann 1997: S. 92)

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Petra Hennrich
Grafikerin, systemische Coachin, Trainerin, Künstlerin
Kaiserstrasse 96/V, 1070 Wien, Tel.: 0660 34 09 471
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